Künstlerin: Leni Diehr
Die Haarbürste ist ein unscheinbares Objekt. Sie liegt im Bad, in der Tasche, auf der Kommode – alltäglich, fast übersehen.
In den Haaren entsteht mehr als nur ein Knoten.
Zeit legt sich ab, Tage verfilzen, Gedanken bleiben hängen.
Konflikte, Verwirrungen fest verknotet im eigenen Haar.
Hair holds memories – gute wie auch schlechte.
Jeder Knoten erzählt von Spannung, von Nähe oder Erinnerungen.
Die Haarbürste tastet diese Spuren ab aber mit Konsequenz, sie kann ordnen oder verwirren.
Die Bürste kann Knoten auskämmen und somit lösen.
Die Bürste kann den Widerstand spüren und sich Entscheiden dagegen anzukämpfen.
Die Bürste kann Verwirrungen umgehen oder aufhören sie zu Orden.
Die Bürste kann Spannungen verstärken.
Die Bürste kann ein ganz eigenes Problem schaffen.
Am Ende bleiben lose Haare in der Bürste zurück.
Reste dessen, was war.
Nicht verloren, sondern gesammelt.
Die Haarbürste wird so zum Archiv.
Die Haarbürste ein Objekt das berührt, ordnet, verwirrt, erinnert, lösen und verstärken kann.
Haare halten fest, wachsen mit, verändern sich und sind somit ein unglaublich persönlicher Speicher an erlebtem.
Haare bürsten wird oft als etwas notwendiges und pflegendes gesehen und mit dingen wie Sauberkeit und Ordnung in Verbindung gebracht.
Was ist aber wenn die Haarbürste nicht nur als mittel zum Zweck verstanden wird sondern als ein Werkzeug.
Ein Werkzeug nur für einen selbst das eine Verbindung zu seinen Erinnerungen darstellt.
Ein Werkzeug das den Körper beziehungsweise die Haare nicht als Objekt sondern als Sammelort/Archiv darstellt.
Deshalb habe ich kleine Deckchen gestaltet und sie mit glänzenden perlen bestickt um der Haarbürste einen Ort zu geben, einen Ablageort, einen Ort der Wertschätzung. Sie liegt nicht mehr wahllos im Badezimmer herum sondern bekommt ihren eigenen Platz an dem ihre Kraft nicht mehr still ist.



